Während der Heart of the Swarm Reveal Tour im Mai 2011 in Irvine, hatten wir die Chance mit Brian Kindregan über einen der wohl interessantesten Aspekte von StarCraft zu reden, die Story. Wir sprachen mit ihm über Wings of Liberty und natürlich über die kommende Erweiterung, Heart of the Swarm

Hallo Brian. Vielleicht fangen wir einfach mal mit einer kurzen Vorstellung an.
Klar. Ich bin Brian Kindregan, Lead Writer für StarCraft II: Heart of the Swarm.
Es heißt zuweilen die Story von Wings of Liberty sei relativ einfach und gewöhnlich im Vergleich zu den Kampagnenstories von StarCraft und Brood War. Auf der BlizzCon hast du bereits erwähnt, daß sich eine Menge im Hintergrund abspielt, wovon Raynor und seine Leute nichts mitbekommen. Basierend auf den Reaktionen, die du gesehen und gelesen hast, habt ihr im ersten Teil der Trilogie vielleicht zu viel verborgen?
Das ist gut möglich. Meiner Meinung nach haben wir mit Wings of Libertyy etwas ausprobiert, das vorher noch nie versucht wurde. Dieses Niveau an Charaktertiefe in einer RTS-Geschichte hat man eigentlich noch nie irgendwo so gesehen. Viele Echtzeit-Strategiespiele haben eine komplexe Handlung, aber ich denke zu einer guten Erzählung gehören eine starke Handlung und starke Charaktere. Damit haben wir gewissermaßen Neuland betreten. Es gibt auf jeden Fall Momente, wo ich die Reaktionen der Community mitbekommen habe und bemerken musste, daß sie versteckte Hinweise nicht erkannt haben. Das ist nicht deren Schuld, ich meine es ist so ziemlich, wie du es ausgedrückt hast, die Zeichen waren vielleicht zu undeutlich. Daher ist es eine auf jeden Fall eine gute Lektion. Nun, wo wir uns Heart of the Swarm zuwenden, wird meiner Ansicht nach deutlich mehr von dieser tieferen Hintergrundgeschichte in den Vordergrund rücken.
Wenn du [in der Zeit] zurückreisen könntest, würdest du etwas an der Story von Wings of Liberty ändern wollen?
Das ist eine knifflige Frage. Als ein kreative Person würde ich zurück reisen und quasi jedes Unterfangen, das ich je unternommen habe, ändern, denn man ist nie dieselbe Person, die man war, als man daran gearbeitet hat. Ich war viele Jahre lang ein professioneller Grafiker und es gab da einen alten Witz, daß dein Portfolio nie dafür bereit war, um es jemand anderem zu zeigen. Denn sobald du das letzte Teil fertigstellst und hinein packst, bist du ein besserer Künstler als du es während der Anfertigung dieses letzten Stückes warst. Also, die kurze Antwort ist: Sicher würde ich etwas ändern, aber nicht in dem Sinne, daß ich nun denke Wings of Liberty sei mangelhaft oder etwas in der Art. Es liegt einfach daran, daß ich an jedem Projekt arbeite, bis es mir jemand aus der Hand reißt und wegnimmt.
In der Kampagne von Wings of Liberty gab es nicht nur normale Missionen, sondern auch einen Storymodus und ein Minispiel...
...The Lost Viking...
... sowie natürlich jede Menge Dialoge zwischen den Charakteren. Denkst du ihr schafft es ein vergleichbares Erlebnis für Heart of the Swarm zu schaffen?
Ich hoffe doch. Ich meine, das ist ein großer Teil meiner täglichen Arbeit. Ich muß herausfinden, wie man eine Zerg-Geschichte erzählt und zwar in einer Weise, daß es für Zerg glaubwürdig ist. Es braucht Zerg-Charaktere, die genügend wiedererkennbare Elemente haben, so daß wir als Menschen uns in sie hinein versetzten und ihre Denkweise verstehen können. Zugleich aber müssen wir sicherstellen, daß sie sich nicht einfach wie Menschen in Zergkostümen anfühlen. Das ist also meine große Herausforderung, zumindest eine von vielen. Das ist auch ein Bereich, in den ich viel von meiner kreativen Energie investiere, um eben solche interessanten Charaktere zu schaffen. Die Zerg haben selbstverständlich eine Schwarmintelligenz, aber bereits traditionell gab es bestimmte Arten von Zerg, die eine gewisse Individualität besaßen. Damals waren das die Zerebraten, die Königinnen natürlich und die Overlords. Insgesamt gibt es somit eine Reihe von verschiedenen Charaktertypen aus denen wir schöpfen und Dinge erzählen können, aber es ist auf jeden Fall eine große Herausforderung.
Ich versuche es zumindest mal mit dieser Frage: Was ist da momentan mit Kerrigan los? Wir haben sie in ihrer früheren Ghost-Uniform gesehen und wir haben sie bereits auf dem (diesjährigen) BlizzCon-Logo gesehen. Also verrat es mir, was ist damit?
Nunja, das meiste, was ich dazu preisgeben kann, ist so ziemlich das, was man sich aus der heutigen Anspielversion zusammenreimen kann. Vom Aussehen her erscheint sie komplett menschlich mit Ausnahme des Zerghaares, aber selbstverständlich hat sie einige Kräfte, die jenseits dessen reichen, was ein Mensch kann. Denn selbst obwohl sie das psionisch stärkste menschliche Wesen ist, von dem man je den Psi-Index bestimmt hat, würde das nicht ausreichen, um Zergtruppen im Feld zu kommandieren. Selbst Nova, die der einzige andere Mensch mit ihrem Psi-Level ist, ist nicht in der Lage eine Zergbrut zu übernehmen und in die Schlacht zu schicken. Also sind da auf jeden Fall mehr als nur ihre Dreads bzw. ihr zergartiges Haar.
Aber ihre Einstellung hat sich ziemlich geändert. Basierend auf dem, was wir gespielt haben, erscheint es als wüsste sie gar nicht mehr, was sie getan hat und die anderen Chraktere mussten sie daran erinnern, wie sie vorher war.
Derzeit vergleiche ich Kerrigan mit jemandem, der gerade aufgewacht ist, in der Nacht zuvor richtig betrunken war und nun kleine Erinnerungsbrocken hat, vielleicht von schlimmen Dingen, die er getan hat. Aber damit will ich nicht sagen, daß es einfach nach dem Motto „Oh, ich bin jemand anderes” geht. Kerrigans komplettes Leben zerfällt in sehr unterschiedliche Abschnitte: Sie wuchs als Kind in der Konföderation auf, quasi einer ganzen Kultur, die es nicht mehr gibt. Sie war eine Ghost-Auftragskillerin, deren Gedächtnis regelmäßig gesäubert wurde, so daß sie aus der Teil nur bruchstückhafte oder verschwommene Erinnerungen haben dürfte. Und dann wurde sie später natürlich diese böse Alienkönigin. Da ist so viel und sie war eigentlich nie in der Lage all dies in einer einzigen, konsistenten Persönlichkeit unterzubringen. Und nun steht sie da mit all diesen Bruchstücken darüber, wer sie war, wer sie gewesen ist, Dingen, die sie getan hat und Dingen, an die sich andere im Zusammenhang mit ihr erinnern, all das. Sie ist auf jeden Fall inmitten einer sehr schlechten Situation. Sie muß gewissermaßen herausfinden, wer sie ist und vielleicht auch, was sie bereits ist, obwohl sie davon noch gar nichts weiß.

















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