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Blizzard antwortet auf Storyfragen - Teil 1

von General Mengsk (Autoren-Archiv) am 08.10.2012 um 20:30

Für manche ist sie nur unwichtiges Beiwerk, für andere hingegen ein zentraler Aspekt des Spiels: Die StarCraft-Story. Wer die umfangreiche Geschichte aus den Kampagnen von StarCraft II, Brood War, StarCraft sowie den Büchern, Comics und Kurzgeschichten studiert hat, wird sich aber einige Fragen zu bestimmten Details stellen. Vor geraumer Zeit hatte Blizzard Fragen von Fans eingesammelt und an das Creative Development Team, wie das Storyteam offiziell heißt, weitergeleitet. Nach und nach werden nun die Antworten veröffentlicht.

Niemand anderes als Brian Kindregan, Co-Lead Writer für StarCraft II: Wings of Liberty und Lead Writer für Heart of the Swarm, hat die Antworten auf die nun veröffentlichten Fragen formuliert. Daneben versucht man sogar in einem Vorab-Statement storytechnisch zu erläutern, warum in der Kampagne nicht in jeder Mission alle Einheiten verfügbar sind oder warum im Mehrspielermodus nicht z.T. die Terraner alle Einheiten zur Verfügung haben, die es jemals in SC, BW und SC2 gab. Allerdings stellt sich so mancher Kampagnenfan da sicherlich auch die Frage, ob man für eSport und Kampagnenschwierigkeitsgrad wirklich eine Storybegründung braucht.

Interessanter sind da schon die nachfolgenden Antworten, die sich um echte Ungereimtheiten innerhalb der StarCraft-Story drehen. Zum einen geht es um die mysteriöse Bevölkerungsexplosion zwischen der Ankunft der Terraner im Koprulu-Sektor, zum anderen um Kerrigans unterschiedliche Motive früher und heute:

Frage: Wie konnten sich die Terraner im Koprulu-Sektor so schnell vermehren und Kolonien gründen, wo sie doch nur vier defekte Schiffe als Ausgangspunkt hatten? Laut der Geschichte stürzten 2259 vier Schiffe mit 40.000 Menschen ab, die drei Kolonien errichteten. Die Ereignisse von StarCraft 1 fanden um ca. 2500 statt. Dennoch scheint es, dass die Konföderation/Liga aus Staaten mit vielen Welten und Milliarden von Bürgern besteht. Tarsonis hatte beispielsweise eine Bevölkerung von mindestens zwei Milliarden. Egal, von welchen Überlebens- und Vermehrungsraten ich ausgehe, scheint das einfach keinen Sinn zu ergeben.

Antwort: Das ist eine ausgezeichnete Frage, die wir intern schon seit mehreren Jahren diskutieren. Ich habe immer betont, dass es sich bei den vier abgestürzten Schiffen um Kolonieschiffe handelte. Obwohl ein Großteil ihrer Technologie verloren ging, gab es sicherlich Methoden, um sicherzustellen, dass die Passagiere auf einem neuen, feindlichen Planeten Fuß fassen konnten – beispielsweise eingefrorene Embryos, eingefrorene befruchtete Eizellen und mit Sicherheit umfassende Kloneinrichtungen. Es gab zudem Methoden zur Erhöhung der Lebensmittelproduktion zur Unterstützung des explosiven Bevölkerungswachstums. Mmm, köstliche Nährpaste! Ein Esslöffel reicht für den ganzen Tag!

Da die Überlebenden nur über einen Bruchteil der Gerätschaften verfügten, die zur dauerhaften Instandhaltung der Technologie erforderlich gewesen wären, ging sie ca. 50 Jahre nach dem Absturz verloren. Dies reichte jedoch aus, um die anfänglichen Bevölkerungszahlen deutlich zu steigern. Gehen wir beispielsweise davon aus, dass diese Zahlen innerhalb von 30 Jahren nach dem Absturz auf 400.000 gestiegen waren (das klingt zugegeben etwas ehrgeizig, aber eine Zivilisation, die so riesige Schiffe bauen kann, verfügte sicher auch über derartige Technologie). Es ist davon auszugehen, dass in den ersten fünf oder sechs Generationen ein enormer sozialer (und vielleicht sogar gesetzlicher) Druck bestand, so viele Nachkommen wie möglich zu zeugen, sodass Familien oft zehn oder mehr Kinder hatten. Etwa ab der dritten Generation dürfte die Kindersterblichkeit sich etwas erhöht haben, da die alte Technologie zusammenbrach. Sie sank jedoch schnell wieder, als die Kolonisten ihre technologische Infrastruktur wieder aufbauten. Jetzt erscheinen die Zahlen schon wesentlich sinnvoller.

Frage: In StarCraft sagte die Königin der Klingen zu Mengsk, dass sie nicht an Rache interessiert sei. Warum ist es laut dem letzten Trailer jetzt plötzlich zu ihrem Lebensinhalt geworden, ihn zu töten?

Antwort: Die Königin der Klingen und Sarah Kerrigan sind nicht ganz die gleiche Person. Die Königin der Klingen ist im Grunde Sarah Kerrigan unter dem Einfluss von verheerenden Kräften: unglaubliche Macht, eine überragende Menge an Psi-Energie und die Existenz eines Zerg-Mutagens in ihrem Körper.

Nur um das klarzustellen: Die Königin der Klingen ist kein eigenständiges Wesen, das von Kerrigan Besitz ergriffen hat. Kerrigan ist (zumindest in ihrem Geist) für die schrecklichen Dinge verantwortlich, die sie getan hat. Sie fühlt sich wegen dieser Taten unendlich schuldig, war jedoch in Brood War nicht gänzlich Herr ihrer Sinne.

Kurz gesagt hielt die Königin der Klingen es nicht für nötig, Mengsk zu töten. Für sie stellte er keine Bedrohung dar. Sarah Kerrigan jedoch weiß, dass Mengsk sie tot sehen will, und nimmt es ihm äußerst übel, dass er sie auf Tarsonis zurückgelassen hat.

In Sachen Bevölkerung versucht sich Blizzard also quasi an einem „Inflationsmodell”, die eine Verzehnfachung der Gesamtbevölkerung binnen rund einer Generation erklären soll. Hat man sich hier etwa an der Entstehung des Universums selbst orientiert? Dieser, in der Kosmologie heute allgemein anerkannte, Ansatz entstand nämlich auch aus der Motivation die Beobachtungen in Einklang mit der Theorie zu bringen.

Allzu viel neues aber hat Blizzard in den nun veröffentlichten Antworten bisher nicht preisgegeben. Dazu passt auch die Aussage, dass man die Antworten bzw. Erklärungen größtenteils auf Basis der Hinweise geben will, die ohnehin im Spiel versteckt sind. Dennoch darf man gespannt sein, welche weiteren Antworten es demnächst noch geben wird.

Kommentare

09.10.2012 - 02:00
126 Kommentare
Registriert: 14.08.2008
Cool, freu mich schon auf die Story :-)
09.10.2012 - 13:32
33 Kommentare
Registriert: 01.03.2008
Naja für ne technologisch so fortschrittliche Zivilisation war ihre Stärke in BroodWar aber jetzt nicht so überragend :D

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