Blizzard antwortet auf Storyfragen - Teil 3 inkl. kurzer Analyse
Wenn schon kein Balancepatch für HotS am Samstag, dann doch wenigstens wieder Storyantworten am Montag: Hier hält sich Blizzard an den in den letzten Wochen festgesetzten Terminkalender. Diese Woche wird es richtig interessant, denn es geht diesmal nicht um irgendwelche Logikfehler wie Flügelschläge im Weltraum, sondern um zentrale Grundfragen zur StarCraft-Story, die mit Wings of Liberty aufgeworfen wurde, u.a. zu Kerrigan und dem Overmind.
Zunächst jedoch noch eine Antwort auf die Frage, warum Tychus, wenn er schon für Arcturus Mengsk arbeitet, nicht die unangenehme Meldung von Raynor in der Mission „Sondermeldung“ (engl. ”Media Blitz”) unterbindet:
Antwort: Über diese Frage freue ich mich besonders, da ich sie zwar vor ein paar Jahren auf einer BlizzCon beantwortet habe, dabei allerdings etwas unklar war.
Die kürzeste Version: Zu der Zeit von „Sondermeldung“ (kommt unabhängig von eurer Spielweise im mittleren bis hinteren Teil) hatte Mengsk schon Wichtigeres zu tun. Er hatte eine Chance, seine Tychus-Karte auszuspielen. Falls er Tychus befohlen hätte, diese Mission zu sabotieren, hätte Raynor das mitbekommen. Wäre „Sondermeldung“ die dritte oder vierte Mission des Spiels gewesen, hätte Mengsk diese Möglichkeit sofort genutzt. Doch als Tychus durch Korhal stampfte, hatte es Mengsk mit einem Zerg-Schwarm zu tun, der von Char aufbrach, um Welten zu erobern. Spione teilten ihm mit, dass die Moebius Foundation eventuell einen Weg gefunden hatte, Kerrigan wieder menschlich werden zu lassen. „Sondermeldung“ schadete ihm, aber das war nichts verglichen mit der vom Schwarm ausgehenden Gefahr und der Möglichkeit, Tychus gegen Kerrigan einzusetzen.
Falls Mengsk den Schwarm besiegen würde, könnte er sich der Verehrung seines Volkes sicher sein, selbst wenn er ein paar Milliarden Tote zu verantworten hätte. Wäre die Königin der Klingen hinter ihm her, könnte ihn auch diese Verehrung nicht retten.
Dieser Mengsk hat wirklich Nerven wie Drahtseile.
In einer weiteren Frage geht sich um einen, wenn nicht den Storykern der Kampagne von Wings of Liberty, nämlich die Prophezeiung. Hier stellt Brian Kindregan klar, dass die Deutung von Kerrigan als Erlöserin zu kurz greift und wir damit in Zukunft wohl noch einiges mehr über diesen Punkt nachdenken werden müssen:
Antwort: Diese Frage kann ich gut nachvollziehen. „Prophezeiung“ ist ein emotionales Wort, das klingt, als käme es aus einer Fantasy-Geschichte und hätte keinen Platz im Bereich der Science-Fiction.
Allerdings möchte ich mich hierbei auf das dritte clarkesche Gesetz berufen: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ Irgendwann vor langer Zeit hat ein Wesen gesehen, wie die Ereignisse wahrscheinlich (aber nicht zwingendermaßen) ablaufen würden und übermittelte diese Informationen an geringere Geschöpfe, die sie niederschrieben.
Oder um es anders auszudrücken: Stellen wir uns vor, dass ich mit einer Eintagsfliege kommunizieren könnte, die eine Lebenserwartung von 24 Stunden hat. Ich sage ihr: „Diese riesige Lichtkugel wird bald während eines Ereignisses untergehen, das wir ‚Abend‘ nennen. Fast die Hälfte deines Lebens über wird sie verschwunden sein, dann jedoch am sogenannten ‚Morgen‘ zurückkehren.“ Aus Sicht der Eintagsfliege stelle ich wilde Prophezeiungen über die Zukunft in den Raum.
Wie ich festgestellt habe, gehen viele davon aus, dass die Prophezeiung besagt, Kerrigan würde das Universum retten. Das ist jedoch nicht der Fall. Sie besagt einiges, unter anderem, dass der Gefallene (im Folgenden als „Dunkle Stimme“ bezeichnet) alles zerstören wird. Später erleben wir in einer Vision des Overminds den Zeitpunkt, an dem die Dunkle Stimme siegreich ist. Diese Vision vermittelt das starke Gefühl, dass die Zerg zurückgeschlagen haben könnten, wenn sie unter dem Befehl eines Anführers gestanden hätten, dem es möglich gewesen wäre, der Dunklen Stimme zu widerstehen. Ist Kerrigan solch eine Anführerin? Aber sicher! Allerdings ist sie weder die auserwählte Erlöserin noch eine messianische Figur noch die „Prophezeite“ – sie taucht in der Prophezeiung überhaupt nicht auf. Ist das kompliziert? Auf jeden Fall. Dazu werde ich mich in einem späteren Post noch äußern!
Kerrigan ist also nicht teil der Prophezeiung. Das würde dazu passen, dass Blizzard sich nach wie vor an das vor der Erscheinung von StarCraft 1998 erstellte Grundkonzept hält. Kerrigan tauchte in den ersten Konzepten für StarCraft damals gar nicht auf, sie kam erst relativ spät ins Spiel, obwohl sie danach, insbesondere in Brood War, so eine wichtige Figur wurde.
Fast noch interessanter ist allerdings die Frage über den Overmind. Ausgehend von der Frage nach der Kontrolle der Dunklen Stimme über den Overmind gibt es hier Details in der Antwort, die erfahrene Storykenner überraschen werden:
Antwort: Eine sehr gute Frage. Ich weiß, dass es in den Foren Diskussionen über das Wesen des freien Willens und den Overmind gegeben hat – allerdings in Bezug auf Menschen und ihre Verhaltensweisen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es sich hierbei um Science-Fiction handelt und wir Begriffe mitunter in anderen Zusammenhängen verwenden müssen, die nicht den üblichen Definitionen entsprechen.
Bezogen auf den Overmind bleibt zu sagen, dass man entweder einen freien Willen hat oder nicht. Im letzteren Fall gibt es Abstufungen des unfreien Willens. Die Dunkle Stimme stellte den Overmind an die Spitze des Schwarms, was bedeutete, dass er eine Reihe von Denkfähigkeiten benötigte: Ermessensspielräume sowie die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und kurz- oder langfristige Planungen durchzuführen. Flexibilität also. So etwas kann ein Automat nicht leisten. Besaß der Overmind also einen freien Willen? Nein, da die Dunkle Stimme seinem Denken Schranken gesetzt hatte. Er konnte beispielsweise nicht einfach eine Rebellion in Erwägung ziehen, da ihn in diesem Fall ein „eisernes Korsett“ davon abgehalten hätte. In bestimmten Situationen musste er Zwängen folgen. Entschlossen, alles für den Schwarm zu tun, fand der Overmind jedoch Lücken, ihm kaum zugestandene Wahlmöglichkeiten, die zwar die Kontrollen nicht aktivieren würden, von denen er jedoch hoffte, dass sie die Zerg schließlich aus der Herrschaft der Dunklen Stimme befreien könnten. Dies würde den Zerg das Schicksal ersparen, das der Overmind in seiner Vision gesehen hatte.
Und um noch etwas klarzustellen, das immer wieder falsch interpretiert wird: Der Overmind erschuf die Königin der Klingen nicht, um die Galaxie, den Koprulu-Sektor oder irgendetwas anderes außer den Zerg zu retten. In einer Vision sah er, wie die Zerg für die Vernichtung der Protoss benutzt wurden, und nur die Tatsache, dass dies in Sklaverei geschah, war für ihn von Belang. Am Ende der Vision sah er, wie allen Zerg von den Hybriden die Energie entzogen wurde. Dies stellte die Vernichtung der Zerg dar, was der Overmind um jeden Preis verhindern wollte. Er beabsichtigte, den Schwarm der Kontrolle der Dunklen Stimme zu entreißen, um die Zerg zu retten – und zwar nur die Zerg. Er hätte keine Probleme damit gehabt, dass die Zerg alle anderen existierenden Spezies ausmerzen.
Anmerkung: Der Begriff „ausmerzen” im letzten Satz ist möglicherweise nicht die beste Übersetzung. Im englischen Original steht hier „consume”, was auch „einverleiben” bedeuten kann und eher der Natur der Zerg entspricht.
Im Klartext bedeutet der letzte Abschnitt aber noch viel mehr: Entweder man überwirft sich hier mit dem, was im Handbuch des Original-StarCraft steht oder wir haben gerade ein paar sehr interessante Informationen erfahren. Das Handbuch schreibt nämlich zwei wichtige Dinge:
- Die Xel'Naga haben den Overmind geschaffen.
- Der Overmind hat gegen die Xel'Naga rebelliert, nämlich indem er deren Schiffe im Orbit von Zerus angegriffen hat.
Wenn diese beiden Sätze noch gültig sind, lässt dies folgende möglichen Schlüsse zu:
- Die dunkle Stimme hat den Overmind erst nach dem Angriff der Zerg auf die Xel'Naga korrumpiert.
- Die dunkle Stimme ist ein Xel'Naga, aber einer, der gegen die Mehrheit seines Volkes agiert (Stichwort: „Der Gefallene”) Er hatte entweder bei der Erschaffung des Overminds seine Hand im Spiel oder hat diesen kurz danach korrumpiert. Er hat dem Overmind ganz bewusst die Möglichkeit gelassen zwar nicht gegen ihn, wohl aber gegen die Schiffe der Xel'Naga im Orbit von Zerus loszuschlagen.
Die erste Variante wäre die uninteressantere und darf getrost als unwahrscheinliche gelten. Vielmehr passt die zweite Erklärung nicht nur zu den Informationen aus dem Handbuch - auch wenn der Gefallene dort nicht vorkommt - plus denen von Kindregan sowie der Aussage der Dunklen Stimme „So wie ich euch erschuf, so werde ich euch vernichten”. Damit hätte man einen langen Bogen geschlagen, dessen Details zwar noch nicht alle geklärt sind, aber uns in HotS begegnen könnten. Mal sehen was uns die nächsten Antworten bringen werden.















Kommentare
Das mit Kerrigan muss ich mir nochmal anschauen, aber es stimmt die Sache mit Kerrigan war wohl mehr eine Interpretation von Zeratul/Raynor der Prophezeiung.
Ausserdem musst du bedenken dass Tychus wirklich nur das Ziel hat Kerrigan auszuschalten. Einzig und allein zu diesem Zweck wurde er "eingeschleusst". Ihn zu verraten hätte die gesamte Mission zum scheitern gebracht, und damit auch die warscheinlichkeit auf Erfolg bei der Jagt auf Kerrigan, welche mehr Priorität hat als so ein doofes Kriegsgerät.
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