Koreanische Profis wechseln zu StarCraft II, KeSPA mit an Bord

von General Mengsk am 02.05.12 um 13:37

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Seit 2010 spielt die ganze StarCraft-Welt Wings of Liberty. Die ganze? Nein, ein Land voll von unbeugsamen Profis spielte weiter Brood War. Und da dieses Land Korea heißt und weltweit Vorreiter in Sachen eSport-Verbreitung ist, war das kein geringer Faktor. Doch nun wird wohl auch die koreanische Profiszene nach einer Übergangsphase bald vollständig zu StarCraft II wechseln, denn alle großen in Korea - Blizzard, GomTV, die KeSPA und Ongamenet - haben sich geeinigt. Was das bedeutet, was genau passiert und warum es überhaupt diese besondere Situation in Korea gibt, erfahrt ihr im Folgenden.

Warum gab es den Sonderfall Korea?

Brood War, der Vorgänger von StarCraft II, ist in Korea erst so richtig groß und professionell geworden. Die Entstehung des halbstaatlichen koreanischen eSport-Verbandes KeSPA ist eng mit der koreanischen Erfolgsgeschichte von Brood War verknüpft. Unter der Regie der KeSPA entstand ein Profiszene mit Ligen und Regularien, wie man sie sonst nur aus klassischen Sportarten kennt. Brood War wurde sogar auf zwei koreanischen Fernsehsendern, MBCGame und Ongamenet, gezeigt, wobei beide Sender jeweils eine eigene Profiliga hatten.

Zwar bauten die Koreaner eifrig ihren Ligabetrieb aus, doch Blizzard blieb dabei zunächst außen vor, so auch als die KeSPA anfing ähnlich wie im Fußball Übertragungsrechte zu verkaufen. Nachdem bereits im Jahre 2007 mit StarCraft II der potentielle Nachfolger angekündigt worden war, beendete Blizzard schließlich die Phase des stillschweigenden Zusehens und schaltete sich in die Situation in Korea ein. Es kam zu einem beispiellosen Machtkampf, nachzulesen in unserem Dossier: Der Machtkampf Blizzard vs. KeSPA.

Warum spielten dann Koreaner überhaupt StarCraft II?

Mit GomTV und seiner Mutterfirma Gretech hat Blizzard einen neuen Mitspieler in die Szene gebracht und eine eigene Liga, die GSL (GomTV Global Starcraft II League), aufgebaut. Spieler und Teams, die nicht mit der KeSPA assoziiert waren, konnten daher an der GSL und an anderen, z.B. internationalen, Wettbewerben teilnehmen. Alle mit der KeSPA assoziierten Spieler und Team waren hingegen auf Brood War angewiesen, die StarCraft II nicht als offizielle Disziplin hatten. So konnten die Spieler allenfalls privat StarCraft II spielen, aber nicht an offiziellen Wettbewerben teilnehmen ohne gegen die KeSPA-Regularien zu verstoßen.

Wie verläuft der Wechsel von Brood War zu StarCraft II?

StarCraft II ist nun offizielle KeSPA-Disziplin, womit der Weg für die BW-Profis zu StarCraft II frei ist. Bereits im Mai wird die SK Planet Proleague Season II beginnen, bei der sowohl Brood War als auch StarCraft II gespielt wird. Laut Gerüchten der letzten Zeit würde man abwechselnd Brood War und StarCraft II spielen, allerdings wird laut der heutigen Presskonferenz noch nach einem intelligenteren Modus gesucht, um beide Spiele unterzubringen. In der nächsten Proliga-Saison (also nach der SK Planet Proleague Season III) ab Oktober soll Brood War dann wegfallen.

Zudem will OngameNet im Juli eine eigene Liga in StarCraft II an den Start bringen, die möglichst allen Spielern offen stehen soll, egal ob sie bei der KeSPA, bei GomTV oder Amateure sind. OngameNet will in Zukunft auch Übertragungen für ein nichtkoreanisches Publikum anbieten, was man offenbar bereits bei League of Legends erprobt hat. GomTV bietet den BW-Profis eine Art Showmatch-Wettkampf gegen GSL-Spieler an. Ansonsten gibt es über die zukünftigen Projekte von GomTV noch keine weiteren Nachrichten.

Warum wird dem Wechsel der KeSPA zu StarCraft II so eine Bedeutung zugemessen?

Obwohl es auch bisher schon eine rege koreanische Szene in StarCraft II gab, war ihre Bedeutung innerhalb Koreas und ihr Organisationsgrad doch kleiner als für Brood War. Während international Brood War nur noch selten wahrgenommen wurde, war es in Korea weiterhin im Fernsehen zu sehen, während die GSL und StarCraft II nur via Internetstreams zu empfangen waren. Auch die gut gefüllten eSport-Arenen, die man aus Brood War kannte, waren in StarCraft II nicht der Regelfall. Mit dem Wechsel der KeSPA dürfte nun nahezu die gesamte koreanische BW-Profiszene zu StarCraft II wechseln und damit zahl der Spieler und die Zahl der Ligen in Korea noch einmal deutlich vergrößern.

Korea galt bereits in Brood War als Vorreiter in Sachen Spielstrategien und eSport-Organisation. Auch in StarCraft II kommen fast alle Trends im Spiel bereits aus Korea, diese Vormachtstellung dürfte sich nun eher noch verstärken. Angesichts des relativ schnellen Rückzugs der Casuals aus dem aktiven Spielbetrieb, dürfte dies für die weitere Entwicklung von StarCraft II, insbesondere abseits der Addons, eine weitere Ausrichtung auf den eSport bedeuten, die sich evtl. in Planungspräferenzen und Patchinhalten ausdrücken könnte. Womit genau zu rechnen ist, lässt sich aber noch nicht sagen.

Ist dies das Ende von Brood War?

Das kommt auf die Sichtweise an. Es dürfte das weitgehende Ende für den professionellen eSport in Brood War sein, wenn wie beschlossen die OSL nach einer Übergangssaison Brood War aus dem Programm nehmen wird. Zwar gibt es derzeit Gerüchte über eine mögliche Profiszene außerhalb der KeSPA, allerdings wäre deren Größe und Bedeutung deutlich kleiner als was man bisher aus Korea kennt.

Im Amateurbereich hängt das Schicksal von Brood War weitgehend an der Lust der verbliebenen Spieler und dem Engagement der verbliebenen Orgas ab. Aber auch außerhalb Koreas gibt es noch Angebote, wie z.B. die nach wie vor laufende Brood War Clan League (BWCL), die Noise Amateur Starleague oder die D-Rank Team League.



Kommentare

#1:  CCROPT
02.05.2012 - 18:15

119 Kommentare
Registriert: 04.03.2008
coole sache eigentlich.. wird starcraft 2 bestimmt gut tun. zumindest meinem interesse an korea.. :D

#2:  CCAA
02.05.2012 - 21:30

16 Kommentare
Registriert: 26.07.2010
ja gute Sache, allerdings ist das alles noch mit Skepsis zu betrachten imo.

#3:  PaZy
03.05.2012 - 17:29

1 Kommentar
Registriert: 04.10.2002
Ich finde es traurig. Broodwar war meiner Meinung nach um weiten spannender als SC2. Daran wird sich aufgrund diverser Mechaniken (ball of death etc.) nicht mehr viel ändern. Ich glaube man bräuchte mal ein paar (quell)offene, freie e-Sport Titel. Das wäre mal eine interessante Idee.

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