Big Brother Award 2012 für Blizzard Entertainment

Es gibt Preise, die niemand gerne gewinnen möchte. Die Goldene Himbeere gehört dazu, aber auch der Big Brother Award. Gestern wurden die Big Brother Awards 2012 verliehen und Blizzard Entertainment hat diesen in der Kategorie Verbraucherschutz erhalten. Angeprangert werden u.a. das Scannen des Arbeitsspeichers, die Aufzeichnung aller Chataktivitäten, die Spielverlaufsprotokollierung und die Einführung der sogenannten „RealID”. Zwar habe man auf die Einführung von Klarnamen in den Foren im Jahr 2010 verzichtet, dies aber nur nach massiven Protesten durch die Spieler.

In der Kurzbegründung des Awards für Blizzard heißt es:

Der BigBrotherAward 2012 in der Kategorie „Verbraucherschutz“ geht an die Firma Blizzard Entertainment für diverse Datenschutzverletzungen bei ihren Online-Spielen (z.B. World of Warcraft). Aus der protokollierten Spieldauer, erhobenen Rechnerdaten, dem Abgleich von Freundeslisten und dem Spielerverhalten (z.B. wie hat jemand eine bestimmte Aufgabe gelöst) lassen sich Persönlichkeitsprofile und Charakterstudien erstellen. Für eine entsprechende Auswertung wurde bereits 2007 ein US-Patent eingetragen – auf einen wissenschaftlichen Mitarbeiter von Google. Stück für Stück werden die Methoden zur Datenklauberei in den endlosen Nutzungsbedingungen immer weiter ausgeweitet. Viele Informationen über die Spieler und Spiel-Charaktere sind im Netz von jedermann öffentlich einsehbar. Immerhin: Der Versuch, den Zwang zu öffentlichen realen Klarnamen einzuführen, wurde durch Spielerproteste verhindert – noch.

Zu jeder Kategorie, in der die Big Brother Awards vergeben werden, gibt es zudem eine ausführliche Detailseite. Vieles wird dort anhand von Beispielen in World of WarCraft beschrieben, aber auch Starcraft II wird immer wieder ausdrücklich erwähnt. So kritisiert Laudator Frans Valenta unter anderem die Möglichkeit aus den aufgezeichneten Daten Persönlichkeitsprofile erstellen zu können, aus denen Psychologen Rückschlüsse auf Bonität, Arbeitslosigkeit oder Verhaltensauffälligkeiten ermitteln könnten. In Kombination mit der Preisgabe des Klarnamens im Zuge der RealID (Freundschaftssystem) habe man damit nicht nur anonyme Profile, sondern könne diese auch noch Personen direkt zuordnen.

Neben der optionalen Verknüpfung des Battle.Net-Accounts mit Facebook wird auch die Geschichte um die Veröffentlichung der persönlichen Daten von Diablo III Community Manager Baschiok erwähnt. Als kurz vor der Veröffentlichung von StarCraft II Blizzard angekündigt hatte in den öffentlichen Battle.Net-Foren in Zukunft Klarnamen anzuzeigen statt wie zuvor Nicknames, gab es massive Proteste aus den Communities aller Blizzardspiele. Baschiok hatte daraufhin, um die vermeintliche Harmlosigkeit der Aktion zu demonstrieren, seinen Namen gepostet. Kurz darauf hatten Forennutzer mittels dieser Information persönliche Daten (u.a. Adresse, Telefonnummer, Alter, Namen und Alter der Familienmitglieder, persönliche Vorlieben) ermittelt und ins Netz gestellt. Zwei Tage später machte Blizzard einen Rückzieher in Bezug auf die Foren, das RealID-System ist aber bis heute fest verankert. In der Laudatio heißt es zusammenfassend:

Wir verleihen den BigBrotherAward heute für das ganze Zusammenspiel verschiedener Komponenten unter dem Stichwort Real ID. Wenn sich die Spieler heute mit der gleichen E-Mail-Adresse z.B. in „World of Warcraft“ und „Starcraft II“ einloggen, sind sie damit auf Blizzards Battle-Net-Server und können sehen, ob ihre Freunde bei den anderen Blizzard-Spielen online sind. Und sie werden natürlich auch gesehen. Durch Real ID müssen die Spieler sich sehr gut informieren,mit mehreren Mailadressen arbeiten und ihre Spiele penibel voneinander trennen, wenn sie keinen Charakter-Fingerabdruck im Netz hinterlassen, sondern einfach nur ein bisschen in bunten, spielerischen Welten abschalten wollen.

Gerade in der StarCraft-Szene wird die Überwachung der Spieler oft mit gemischten Gefühlen gesehen. Befürworter loben die Möglichkeit Hacks bei Spielern zu identifizieren, während die Gegner vor dem enormen Missbrauchspotential warnen. Was ist eure Meinung zur Verleihung der Awards? Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren.

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