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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Shakespeare



Scorn4
08. Oktober 2004, 03:29
Shakespeare - ein Name, der eigentlich allen geläufig ist, aber was genau verbirgt sich dahinter? Ich bin einmal so kühn und behaupte, der 0815-User des Forums verfügt nur über ein paar wenige Fakten, kaum Details und wage Vermutungungen, was ihn und sein Gesamtwerk angeht. Daher möchte ich hier einmal ein Topic erstellen, in welchem gemeinsam Wissen gesammelt und diskutiert wird.

Vielleicht hab ich ja Glück und es besteht Intresse daran :)
Der erste, der das hier liest, kann mal anfangen mit irgendetwas.

EasyRider
08. Oktober 2004, 12:14
Bin dabei die Werke von Shakespeare auf englisch und deutsch zu lesen, mit Macbeth bin ich durch, das nächste wird wohl King Lear weil es mich von der Thematik am meisten interessiert.

Sprich im Moment kann ich zu Macbeth einiges erzählen, aber mehr (noch) nicht.

juma
08. Oktober 2004, 13:08
ich wage es einfach mal zu behaupten,dass gar nicht shakespeare geschrieben hat,sondern einer aus dem gemeinem volk.
zu der epoche durfte nur der adel literatur verfassen.

fragt mich nich nach quellen...ich habe keinen plan mehr woher ich das hab und vielleicht verzapf ich grad nur dünnschiss

Prof.Dr.Zwiebel
08. Oktober 2004, 14:46
hm hab macbeth auf englisch gelesen und haben halt inna schule drüber gesprochen, mehr kann ich aber auch net dazu sagen
btw: ich versteh den sinn des threads net ganz...

Scorn4
08. Oktober 2004, 15:00
Das typische Schulstandardwerk von Shakespeare ist ja tatsächlich Macbeth (weil es das kürzeste ist). Diejenigen, die es gelesen haben, können vielleicht was über Eindrücke und Erfahrungen sagen, was ihnen aufgefallen ist, gefallen / nicht gefallen hat, etc.

Und kannst du diese Theorie mit dem gemeinen Volk etwas genauer ausführen?

@Prof Zwiebel: Ich erhoffe von diesem Topic eine Diskussion über Shakespeare und seine Werke. So gut wie jeder weiß das eine oder andere Detail. Das Wissen möchte ich hier zusammentragen, so dass wir hier gemeinsam darüber diskutieren können. :)

mamamia
08. Oktober 2004, 15:57
wir haben in englisch auch macbeth und ein buch über das elizabethan england gelesen. fand ich beides eigendlich recht interessant.
die sprache ist natürlich etwas mühsam zu entziffern, die ganze zeit fußnoten mitlesen und dann noch in sekundärliteratur nachschauen.
aber wenn man sich mal etwas zeit nimmt, entdeckt man in vielen versen doch eine ziemliche genialität. so wars bei mir jedenfalls.

Xp.ShadoW
08. Oktober 2004, 17:06
ich habe mehrfach gelesen ,dass sich shakespeare`s werke in bezug auf stilmittel und andere charakteristika sehr unterscheiden - es wird deshalb darüber gemutmaßt, dass shakespeare lediglich ein pseudonym für eine gruppe von schriftstellern ist oder er lediglich eine handvoll der bekannten werke selbst geschrieben habe und der rest auftragsarbeiten durch andere schriftsteller waren.

die theorie, dass lediglich der adel zu dieser zeit schreiben konnte/durfte ist mir neu - ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren - durchaus vorstellbar wäre es.

Scorn4
08. Oktober 2004, 18:31
Es gibt ja wirklich die unterschiedlichsten gerüchte über Shakespeare. Dass er aber nurn ein Synonym war, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Dann gibt es Leute, die behaupten, Shakespeare sei nur der Strohmann eines Adeligen gewesen; wie dem auch sei, für die uns erhaltenen Werke ist das von untergeordneter Bedeutung. Die Genialität, die mamamia anspricht, ist so oder so in ihnen enthalten.

Zumindest Teile des Adels konnten selbstverständlich schreiben. Das war schon allein für das Vertragswesen und zum Erlassen von Gesetzen und Verfügungen notwendig.


Übrigens machen erst die Fußnoten eine Ausgabe zu einer guten Ausgabe. Vieles bedarf nämlich einer Erklärung, zumal der Text auch immer umstritten ist.

shaoling
08. Oktober 2004, 19:35
Ich möchte einfach mal ein Zitat in die Runde werfen, das Dietrich Schwanitz in seinem Buch Bildung über ihn geschrieben hat:

"Es war England vorbehalten, der Menschheit den Dichter aller Dichter und den Dramatiker aller Dramatiker zu schenken, der nächst Gott von der Welt am meisten geschaffen hat: William Shakespeare (1564-1616), geboren am Tage des Heiligen Georg, des Schutzpatrons Englands, dem 23. April 1564, zu Stratford-upon-Avon, verheiratet mit der acht Jahre älteren Anne Hathaway aus Stratford, verschwunden und in London wieder aufgetaucht, von Kellegen als Hansdampf-in-allen-Gassen beschimpft, Schauspieler, Teilhaber und Stückeschreiber des Theaters der Lord Chamberlain's Men, Autor von Komödien, Historien und Tragödien, unverschöpflich in seiner Erfinderkraft, Liebling der Könige und des Publikums, Verfasser von Kassenschlagern, und theatralisches Genie par excellence, adoptiert von den Dichtern der deutschen Romantik und zum Vorbild erhoben, der kleine Bruder Gottes, dessen Werk er am achten Schöpfungstag durch seine eigene poetische Schöpfung verdoppelt, gestorben an seinem Geburtstag, dem 23. April 1616, dem Tag der Vollendung, in der Pfarrkirche zu Statford begraben, während er selbst ewig weiterlebt in seinen unsterblichen Werken."

Im Weiteren wird er als "Meister der sprachlichen Kernfusion" bezeichnet. Bei eben dieser Stelle findet sich auch als Zitat ein Beispiel dafür, das mir als jemand, der seine Werke (noch) nur vom Hörensagen kennt - Schande über mich -, auch sehr gefallen hat, aus der Komödie Maß für Maß:

>> But man proud man
dressed in a little brief authority
most ignorant of what he's most assured
(his glassy essense) like an angry ape
plays such phantastic tricks before high heaven
as makes the angels weep who, with our spleens,
would all themselves laugh mortal.<<

Auf Deutsch:
>> Doch der Mensch, der stolze Mensch,
gekleidet in ein wenig kurze Amtsgewalt,
verkennt, was ihm am nächsten ist
(seine Spiegelseele), und wie ein wütender Affe,
spielt er solch irre Faxen vor dem hohen Himmel,
dass die Engel weinen, die mit unserer Milz
sich alle sterblich lachen würden.<<

Beeindruckend. Ich habe selbst viel gehört über diesen Shakespeare: Er sei ein Geist, ein Hirngespinst, mehrere, jemand anders, eine Frau, einfach alles. Irgendetwas muss der Mann - und so nenne ich ihn einfach mal weiterhin - ja haben, dass so viel über ihn geredet wird.
Wie ich schon sagte, bin ich selbst mit seinen Werken noch ganz und gar nicht vertraut. Ich habe hier Romeo und Julia, den Lear und den Sommernachtstraum auf englisch zu liegen und werde sie mir wohl irgendwann noch vorknöpfen, aber momentan habe ich anderes zu lesen, so sehr es mich reizt.
Im Grunde kann ich also nicht mehr erzählen, als man mir selbst erzählt hat. Falls es erwünscht ist, könnte ich aus der Quelle noch die Interpretation des Shakespeare-Zitats von oben anhängen, aber ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Diskussion sich weiterentwickelt. Nette Idee übrigens, Scorn. Ich meine mich erinnern zu können: Beschäftigst du dich mit dem Thema nicht eingehender?

0Smacks0
08. Oktober 2004, 21:12
Ich glaube ich werde nie Shakespeare lesen. Man hat schlicht nicht genug Zeit für alle Autoren. Außerdem ist mir einer, der angeblich 31 seiner 32 Werke abgekupfert hat, doch etwas komisch.

Na ja, noch nie was von ihm gelesen, deshalb halte ich mich auch weiter aus dem Thread heraus.^^

shaoling
08. Oktober 2004, 21:19
Also sein Werk würde ich aber bei aller zeitlicher Pression nicht ausschlagen wollen. Ein besseres Drama, so sagt man, wirst du nirgends finden, nicht in der französischen Klassik, nicht im Sturm und Drang und nicht im klassischen Griechenland.
Im Übrigen ist vieles, das sich um Shakespeare rankt, eher als Gerücht zu verstehen.

Scorn4
08. Oktober 2004, 23:40
Original geschrieben von @Smacks@
Außerdem ist mir einer, der angeblich 31 seiner 32 Werke abgekupfert hat, doch etwas komisch.

Die mittelalterliche Literatur wäre ohne Intertextualität nicht denkbar. Ich musste mich mal mit mittelalterlichen Epen befassen. Wenn ich schon den Namen König Arthus lese, muss ich kotzen ^^ Aber hm ... Ich würde mich doch für die Quelle der Behauptung intressieren. Wer soll denn die Vorlage für die Historiendramen gleifert haben?

Ich weiß wohl, dass Shakespeare z.B. Cinthio als Quelle benutzt hat, sozusagen als Vorlage. Othello besiert zum Beispiel auf einem Roman, aber in seinen Werken steckt doch genug Eigeninitiative, um den Vorwurf des "Abkupferns" nicht halten zu können.

shaoling
09. Oktober 2004, 00:01
Ich denke, er bezog sich da sehr viel mehr auf die Pseudonym-Theorie.

Scorn4
09. Oktober 2004, 01:22
Gibt es irgendwas handfestes im Netz, was diese Theorie stützt? Das würde mich wirklich mal interessieren. :)

shaoling
09. Oktober 2004, 01:34
Ich weiß leider nicht, inwiefern diese Theorien ernstzunehmen sind. Letztens erst sah ich im Fernsehen einen Bericht, in dem es um eine Engländerin ging, die herausgefunden haben will, dass in Wahrheit eine Frau sämtliche Werke Shakespeares geschrieben hat.
Das ganze scheint nicht auf allzu viel Resonanz gestoßen zu sein und in England misst man dem offensichtlich auch keinerlei Bedeutung bei. Zumindest ist mir nichts zu Ohren gekommen, was darauf schließen ließe, solcherlei Annahmen hätten es bisher zu nennenswerter Geltung gebracht.

Teegetraenk
09. Oktober 2004, 16:08
Original geschrieben von sHaO-LiNg
Also sein Werk würde ich aber bei aller zeitlicher Pression nicht ausschlagen wollen. Ein besseres Drama, so sagt man, wirst du nirgends finden, nicht in der französischen Klassik, nicht im Sturm und Drang und nicht im klassischen Griechenland.

Nanana, so einfach kannst du es dir nicht machen. Wenn es so eindeutig wäre ... Immerhin gibts nen eigenen Studiengang der sich mit sowas beschäftigt: AvL (Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft). Ganz so eindeutig werden solche Themen also nicht sein ;)

Franzmann2
09. Oktober 2004, 16:33
Original geschrieben von sHaO-LiNg

kurze Amtsgewalt,


geile übersetzung :o

shaoling
09. Oktober 2004, 17:12
Original geschrieben von PivoUser_R7

Nanana, so einfach kannst du es dir nicht machen. Wenn es so eindeutig wäre ... Immerhin gibts nen eigenen Studiengang der sich mit sowas beschäftigt: AvL (Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft). Ganz so eindeutig werden solche Themen also nicht sein ;) Hey, nur was ich gehört habe. ;)

Franzmann, du bist gerne angehalten, eine bessere Übersetzung anzubieten.

0Smacks0
09. Oktober 2004, 17:35
Original geschrieben von Scorn
Gibt es irgendwas handfestes im Netz, was diese Theorie stützt? Das würde mich wirklich mal interessieren. :)
Habs selbst nur mal augeschnappt...

Devotika
09. Oktober 2004, 18:20
Sprachlich top (leider als Deutscher nur schwer zu verstehen), Handlung flop. Wenn man die Protagonisten unendlich dumm macht, hat man noch lange kein gutes Drama.

Scorn4
09. Oktober 2004, 21:37
Original geschrieben von Devotika
Sprachlich top (leider als Deutscher nur schwer zu verstehen), Handlung flop. Wenn man die Protagonisten unendlich dumm macht, hat man noch lange kein gutes Drama.

Hm das ist mal intressant Sprachlich sind Shakespeares Dramen wirklich was feines; einmal, weil Rhytmus und Form gut ausgearbeitet sind, andererseits, weil (meiner persönlich unbedeutenen Meinung nach) das Mittelenglische Stil hat. Nunja
...

Das mit den unendlich dummen Protagonisten würde mich interessieren. Worauf genau beziehst du dich da? Spontan fallen mir keine Besipiele ein. Und nicht alles, was der elisabethanische Pöbel lustig fand, muss heute auch noch komisch sein, da hast du wohl Recht. aber man sollte seine Dramen vor dem Hintergrund ihrer Entstehungszeit beurteilen, was sowas angeht. - meine Meinung.

Exeter
10. Oktober 2004, 18:24
habe bisher nur Julius Caesar von Shakespear gelesen.

muss sagen, ich fand es erstaunlich leicht zu lesen, aber das stück soll wohl auch eines seiner leichteren sein.

die story fand ich auch spannend, so dass ich außerhalb des unterrichts auch noch die letzten 4 akte auf englisch weitergelesen habe.


ob das buch sprachlich nun so toll war, könnte ich nicht sagen.
mir ist zumindest keine besondere sprachliche eleganz aufgefallen.


insgesamt hat mir das buch den autor aber schmackhaft gemacht, aber da ich kein fan von dramen bin, werde ich wohl dennoch all zu bald kein weiteres buch von ihm lesen.



btw ist der film "romeo und julia" zu empfehlen?


und was sagt ihr dazu, dass schiller die gleiche/eine sehr ähnliche story unter dem titel "kabale und liebe" verfaßt hat?

shaoling
10. Oktober 2004, 18:49
Die gesamte deutsche Autorenriege des Sturm und Drang und der Romantik hat sich sowohl stilistisch als auch inhaltlich recht großzügig bei Shakespeare bedient. Was Kabale und Liebe angeht, so verfüge ich leider über keine ausreichende Vergleichskompetenz, da ich Romeo und Julia noch nicht gelesen habe. Im Grunde fallen mir jetzt aber keine Gemeinsamkeiten außer dem gesellschaftlichen Konflikt, der Auswirkungen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen hat - was eine Neuigkeit... -, und dem - SPOILER! - ;) tragischen Freitod der Hauptfiguren ein, der in Kabale und Liebe ja noch nicht einmal einvernehmlich und überhaupt nur als Ergebnis einer wahren Kette tragischer Missverständnisse auftaucht.

Zum Film:
Wenn du diese Produktion mit Leonardo di Caprio meinst, dann darfst du ihn dir ruhig ansehen. Ich würde ihn als recht passabel einstufen, obwohl ich zugeben muss, dass meine zwei Versuche, ihn mir im Fernsehen anzusehen, gescheitert sind, da ich irgendwann gegen neun Uhr die Lust verlor und mich anderen Dingen zuwandte. :ugly:

Aus Julius Caesar kenne ich nur aus dem Rhetorik-Unterricht die Reden von Brutus und Antonius, obwohl mir die Handlung durch historisches bzw. biographisches Vorwissen und den mehrfachen Genuss des Films Cleopatra - von '63 oder so, btw: unbedingt ansehen! - bereits bekannt war.

sdgj123
11. Oktober 2004, 02:55
war am donnerstag im globe theatre in london. hat mir sehr gut gefallen. leider war es nur eine besichtigung. würde sehr gerne mal wieder nach london und mir nen stück ansehen.

mit macbeth hab ich mich im lk stark auseinandergesetzt. super stück. finds aber sonst recht langweilig, einfach so ein stück zu lesen. richtig interessant wirds erst, wenn man das stück analysiert, darüber diskutiert und ggf. den film dazu schaut (welcher übrigens nicht schlecht ist!!). wenn man das macht, erkennt man erst, wie genial shakespeare war

sdgj123
11. Oktober 2004, 03:00
klausur darüber war übrigens ein vergleich zwischen einem abschnitt aus julius caesar und macbeth.
es ging um den monolog von brutus und warum er julius caesar töten will. bei macbeth wars der abschnitt in dem er den königsmord plant, wenn ich mich recht erinnere.
sehr gute aufgabe. hat spaß gemacht