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Thema: Now Reading

  1. #2671
    GröBaZ Benutzerbild von Moranthir
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    Part 1 der Hörbücher, die ich letzten Sommer, als ich Zeit hatte gehört habe (alles audible).


    William Golding - Lord of the Flies (1954)
    Klassiker nachgeholt. Verschiedene Gruppen von jungen Jugendlichen landen auf einer Insel und versuchen zu überleben und das Zusammenleben zu organisieren. Wenig Gutes passiert dabei.
    Geiles, aber deprimierendes Buch, das soziale Dynamiken und Machtstrukturen thematisiert.

    Johan Hari - Chasing the Scream: The First and Last Days of the War on Drugs (2015)
    Ein Buch über die Prohibition von Drogen und des War on Drugs. Fesselnder Mix aus Einzelschicksalen, geschichtlichen Zusammenhängen und neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ich habe mich sowohl privat, als auch in meiner Lehrstuhltätigkeit mit dem Thema auseinandergesetzt und konnte auch da noch einiges Neues erfahren. Das Buch hat auf jeden Fall eine Agenda, aber ich halte es für ein geeignetes Vehikel, um auch Prohibitionsbefürwortern nahezulegen, dass man die Politik vllt. überdenken könnte.
    Die Geschichte rund um Billie Holiday ist wirklich herzzerreißend.


    Thomas Mann - Der Tod in Venedig (1911)
    Alter, würdevoller Greis reist nach Venedig, wo eine Choleraepedemie ausbricht, er einen Jungen angeiert, bis er seine Selbstachtung verliert und stirbt an der Krankheit. Diese großen deutschen Autoren des frühen 20. Jahrhunderts geben mir einfach wenig. Would not read again.

    Sophie Passmann Alte weiße Männer: Ein Schlichtungsversuch (2019)
    Sophie Passmann interviewt 16 einflussreiche Männer (ok, 15 und ihren Vater) auf der Suche nach Gemeinsamkeiten von "alten weißen Männern". Es geht nicht unglaublich tief, aber wer seinen Horizont erweitern möchte, kann sich das Buch mal als Einstieg in den Feminismus zu Gemüte ziehen. Ich wurde ganz gut unterhalten und fand ein paar Perspektiven und Ansätze spannend. Es ist ein nciht besonders konfrontatives Werk, das sich ein paar Spezialisten hier im Forum mal gönnen könnten.

    Martin Sonneborn - Herr Sonneborn geht nach Brüssel (2019)
    Sonneboorn beschreibt die Kuriositäten und Korruption im EU-Parlament durch seine Erfahrungen als Abgeordneter. Sein Humor ist ja oftmals nicht meiner, aber seine Berichte über das Gemauschel sowie die anderen verrückten fraktionslosen Abgeordneten sind unterhaltsam. Man kann von dem Dude ja halten was man will, aber er bringt das Parlament näher an die Bürger heran als die meisten seiner Kollegen.

    Yuvel Harari - 21 Lessons for the 21st Century
    Das Buch thematisiert einige praktische und ethische Herausforderungen, die der technologische Fortschritt, besonders in Informations- und Biotechnologie mit sich bringt bzw. bringen könnte. Es ist manchen vielleicht zu alarmistisch, aber aufgrund der Geschwindigkeit, mit der sich die Welt verändert, kann man ja schon einmal ein bisschen vorausplanen, um später nicht von Ereignissen überrumpelt zu werden.
    Insgesamt ist es ein wenig vage, aber der Schreibstil ist gut und es inspiriert zum Nachdenken. Wer ganz konkrete Handlungsempfehlungen erwartet, ist hier verkehrt. Nur meditieren sollen wir.
    Zitat Zitat von havii
    Du Wurst lebst nur weil es einen Staatsvertrag gibt. Ich lebe weil ich stark bin.
    Irgendwann ist das alles hier auch wieder vorbei und dann kannst Du dir deinen Selbstbetrug in den Arsch stecken.
    #bärenhöhle


  2. #2672
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    Zitat Zitat von pinko Beitrag anzeigen
    Danke für diese schöne Kritik, das Buch landet auf der "Muss ich in diesem Leben noch lesen"-Liste.



    Zitat Zitat von Moranthir Beitrag anzeigen
    Martin Sonneborn - Herr Sonneborn geht nach Brüssel (2019)
    Sonneboorn beschreibt die Kuriositäten und Korruption im EU-Parlament durch seine Erfahrungen als Abgeordneter. Sein Humor ist ja oftmals nicht meiner, aber seine Berichte über das Gemauschel sowie die anderen verrückten fraktionslosen Abgeordneten sind unterhaltsam. Man kann von dem Dude ja halten was man will, aber er bringt das Parlament näher an die Bürger heran als die meisten seiner Kollegen.
    Das habe ich mir auch letztes Jahr gegeben. Hervorragendes Buch! Sonneborn ist einer der besten Politiker des Landes. Was ich besonders mag ist, dass er zwar den Finger in die Wunde legt, aber ohne direkt wieder in Anti-EU-Rhetorik und "oh seht her, wir schrecklich die da oben doch sind" zu verfallen.




    Sebastian Haffner: Von Bismarck zu Hitler (1987)

    Gestern beendet. Obwohl (oder gerade weil?) ich schon ein wenig Vorwissen hatte, war es sehr interessant diese nicht zu sehr ins Detail gehende Gesamtschau des Deutschen Reiches von 1871 bis 1945 zu lesen. Haffner geht dabei natürlich auch ein wenig auf die Vor- und Nachgeschichte ein. Seine Kernargumentation ist dabei, dass das Deutsche Reich eigentlich von Anfang an auf seine eigene Zerstörung hingearbeitet hat. Er fängt an, den Unterschied zwischen dem "rechten" Preußen, das letztlich die kleindeutsche Lösung angestrebt hat, und der "linken" Nationalbewegung, die ja immer die großdeutsche Lösung gewollt hat, zu skizzieren. Interessant hierbei ist natürlich, dass die Nationalbewegung, vertreten durch das Paulskirchenparlament, dabei keineswegs friedlich war. Für diese Bewegung war dann nach der Reichsgründung auch nicht schluss, sie war eben nicht saturiert, ganz im Gegensatz zu Bismarcks berühmter Formulierung und Haffner argumentiert bzw. führt aus, wie diese Nicht-Saturiertheit sich wie eine rote Linie durch die Geschichte des Reiches zieht.
    "We don't know what causes recessions. Now, I'm not a macro-economist, and I don't feel badly about that." - Eugene Fama

  3. #2673
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    Frank Bösch (2019): Zeitenwende 1979

    Gerade in Deutschland wird Geschichte ja meist von 1918, 1945/49 und 1989/90 her gedacht. Dabei stellt auch 1979 ein Jahr mit vielen weltpolitischen Zäsuren dar, die uns bis heute Beschäftigen. Bösch ist, wie er auch selbst schreibt, weder der erste, noch wird er der letzte sein, der ein Buch über das Jahr 1979 schreibt, aber er legt dabei den Fokus auf die (bundes)deutsche Perspektive. Ich fand das sehr interessant mal so einen historischen Querschnitt zu lesen, obwohl - oder gerade weil - natürlich die Detailtiefe nicht unendlich ist. Die zehn behandelten Themen im Einzelnen:

    1. Die Revolution im Iran
    Neben der amerikanischen und der französischen zählt die iranische ja zu den drei Großen Revolutionen der Geschichte, da mit ihr der Islamismus die weltpolitische Bühne betrat - wenngleich keineswegs von Anfang an ausgemacht war, dass der Iran in eine islamistischen Theologie übergehen würde. Die Menschen sind 1978 schließlich nicht auf die Straße gegangen, um die Diktatur des Schah durch eine des Klerus zu ersetzen. Die Revolution war zunächst genauso von liberalen und kommunistischen Gruppen getragen und die Islamisten haben sich erst nach der Flucht des Schah durchgesetzt. (Von Bösch nicht direkt thematisiert, aber in diesem Zusammenhang interessant zu erwähnen ist, dass das Ajatollah-Regime selbst seine innenpolitischen Gegner erst im Zuge des Angriffs durch den Irak mit der Verweis auf die externe Bedrohung ausschalten konnte.) Khomenei stieg im Pariser Exil zum regelrechten Medienstar auf und wurde von westlichen Medienvertretern teils regelrecht hofiert - geradezu erschreckend aus heutiger Sicht; wobei zu erwähnen ist, dass es natürlich auch kritische Stimmen gab. Für mich neu war, dass die bundesdeutsche Politik sowohl zu den alten, als auch zu den neuen Machthabern einen guten Draht hatte - genau wie die bundesdeutsche Wirtschaft auch nach der Revolution weiterhin gute Geschäfte im Iran gemacht hat. Letzteres war auch der Grund, warum die Bundesrepublik den amerikanischen Sanktionen nur sehr widerwillig gefolgt ist. Andererseits waren die guten Kontakte des bundesdeutschen Botschafters im Iran sehr hilfreich, um nach der Geiselnahme in der US-Botschaft die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran (an denen die BRD dann nicht beteiligt war) anzuleiern.

    2. Papst Johannes Paul II. in Polen
    Für mich persönlich eines der nicht ganz so interessanten Themen, da mich Religion und Kirche einfach null interessieren. Das Ereignis war alleine schon deshalb spektakulär, weil Päpste 150 Jahre lang überhaupt keine Auslandsreisen unternommen hatten, Paul IV. immerhin einige wenige. Johannes Paul II. hat damit gebrochen und sollte ja später noch den Spitznamen "Reisepapst" bekommen. Faszinierend hierbei die Parallele zu den Ereignissen im Iran: In beiden Fällen inszeniert sich ein religiöser Führer als Medienstar und Widerstandskämpfer gegen eine Diktatur und steht gleichzeitig aber quer zur bipolaren Logik des Kalten Krieges. Wobei der Papst selbstverständlich nicht so dumm war, einfach offen zur Revolution gegen die kommunistischen Machthaber aufzurufen. Er hat alleine durch seine Präsenz und seinen jovialen, unnahbaren Umgang mit den Menschen eine entsprechende Wirkung entfaltet. Der Besuch war ein gigantisches Medienspektakel und hat in Polen damit die Zivilgesellschaft gewaltig gestärkt und sie sozusagen "auf den Geschmack gebracht" was Massenveranstaltungen bzw. Massenproteste angeht. Er war damit ein wichtiger Katalysator für den Widerstand gegen die Dikatur in den 1980er Jahren und Johannes Paul II. hat diesen Widerstand ja bekanntlich unterstützt, wenngleich die Proteste weniger von der Kirche als der Arbeiterschaft ausgingen und die Kirche hier auch immer wieder zur Mäßigung aufgerufen und sich als Vermittler angeboten hat. Am Ende des Kapitels beschreibt Bösch noch kurz die - leicht zu überschätzende - Rolle der Kirchen beim Widerstand gegen die SED.

    3. Die Revolution in Nicaragua
    Genau wie Persien war auch Nicaragua bis 1979 von einem Diktator beherrscht, der dank seiner antikommunistischen und wirtschaftsliberalen Ausrichtung die Unterstützung der USA genoss: Anastasio Samoza Debayle hatte das Präseidentenamt von seinem Vater Anastasio Samoza García übernommen, der 1936 an die Macht gekommen war. Und genau wie in Persien wurde er von einem breiten Oppositionsbündnis unter fürhung der FSLN (Frente Sandinista de Liberación Nacional) gestürzt, zu der auch Vertreter der Religion (hier der Befreiungstheologie) gehörten. Auch hier war anfangs nicht ausgemacht, welche Strömung sich nach der Revolution im Juli 1979 durchsetzen würde. Obwohl Nicaragua, anders als der Iran, klein und arm war und keine nennenswerten Rohstoffe besaß erregte die Revolution aufgrund der markanten Parallelen zum Umsturz im Iran große internationale Aufmerksamkeit. Weltweit entstanden haufenweise Solidaritätsgruppen. Hierbei entstand eine deutsch-deutsche Konkurrenz, wobei die Unterstützung in der BRD eher aus der Zivilgesellschaft kam, in der DDR natürlich staatlich orchestriert war. Laut Bösch ist die nicaraguanische Revolution aus vier Gründen von langfristiger Relevant: Erstens steht sie für den Einflussverlust der Großmächte im Kalten Krieg, da hier die USA - parallel zur Sowjetunion in Afghanistan - moralisches Kapital verspielten durch ihre Unterstützung von Samoza und später den Contras; zweitens spielte hier der Menschenrechtsdiskurs eine wichtige Rolle, an dem sich sowohl die sandinistische Regierung als auch die Contras messen lassen mussten; drittens zeigte sich auch hier die politische Macht der Religion, nicht nur bei der Unterstützung der Revolution sondern auch bei der späteren Kritik an der sandinistischen Regierung; viertens steht Nicaragua für eine praxisorientierte Solidarität mit der sog. Dritten Welt, da viele Revoluzzer (seien es professionelle oder Amateure), anders als in z.B. Vietnam, erstmals selbst in das betreffende Land reisten dun konkrete Projekte vorantrieben, anstatt sich auf theoretische Diskurse in der Heimat zu beschränken. Ein Beispiels für Solidarität an der "Heimatfront" ist der Konsum des "Sandino-Kaffees" in entsprechenden Kreisen in Deutschland - der aber geschmacklich nicht gerade den Nerv getroffen hat.
    In der großen Politik spielte Nicaragua in Westdeutschland insofern eine Rolle als dass alle Parteien ihnen politisch nahestehende Gruppierungen in Nicaragua unterstützen, insbesondere die parteinahen Stiftungen spielten da eine Rolle. Die Grünen profilierten sich als pro-FSLN-Partei, wohingegen Union und FDP (surprise, surprise) christliche und privatwirtschaftliche Bewegungen promoteten und sich hier als Hüter von Menschenrechten profilieren konnten. Letztlich musste sich die sandinistische Regierung nicht den Contras, sondern 1990 bei demokratischen Wahlen geschlagen geben.

    4. Chinas Öffnung unter Deng Xiaoping
    Im Januar 1979 war Deng Xiaping der erste Spitzenpolitker der VR China, der im Ausland zum Staatsbesuch empfangen wurde, nämlich ich den US of A. Schon Zeitgenossen haben die Geschichtsträchtigkeit dieses Ereignisses wahrgenommen und die Reise setzte auch den Startpunkt für einen regen politischen und wirtschaftlichen Austausch zwischen China und dem Westen. Bösch beschreibt hier auch kurz die - teilweise sehr blutige - Entwicklung Chinas nach dem 2. WK unter Mao. Sehr interessant zu erfahren fand ich, dass die Öffnung Chinas gegenüber dem Westen in den 70er-Jahren nicht zuletzt darauf zurückzuführen waren, dass viele KP-Führer in jungen Jahren im Ausland, auch Deutschland, gelebt und studiert hatten und entsprechende Connections (persönlicher wie geistiger Art) bestanden. Für die Bundesrepublik mit ihrer exportorientierten Wirtschaft war Chinas Öffnung ganz besonders lecker, da hier ein großer Markt winkte. Und auch als Produktionsstandort mit billigen Arbeitskräften war die VR schnell attraktiv, wie z.B. die VW-Produktion in Shanghai zeigt, die 1985 gestartet wurde. Politisch interessant ist, dass der Austausch mit China in Deutschland gerade von der CDU/CSU gefördert wurde, die hier eine Gelegenheit sah, der Ostpolitik der sozialliberalen Regierung eine eigene Fernostpolitik entgegenzusetzen. Dass in China genauso Kommunisten an der Macht saßen wie in der SU störte nicht weiter, weil dann konnte man immerhin die eigene Dialogbereitschaft mit dem Klassenfeind demonstrieren und dass man nebenbei geostrategische Eigeninteressen förderte (China und die SU waren sich seit den 60ern eher feindlich gesinnt) tat dabei nicht weg. Im Gegenzug waren SPD und FDP zunächst eher auf Distanz zu China, da man die Sowjetunion nicht vergraulen wollte.

    5. Die Boat People aus Vietnam
    Auch eines der für mich persönlich weniger aufregenden Kapitel. Interessant waren hierbei für mich zwei Aspekte: Erstens war es gerade die CDU/CSU, die sich - zumindest anfangs - ganz erheblich für die Aufnahme vietnamesischer Flüchtlinge stark machte - insbesondere Ernst Albrecht war hier sehr engagiert. Immerhin flohen die ja vor einer kommunistischen Diktatur, sodass man sich hier moralisch/menschenrechtlich profilieren und zugleich der Friedensbewegung Heuchelei unterstellen konnte. Tatsächlich war der besonders der ganz weit links stehende Teil der Friedensbewegung nämlich erstaunlich still, was die Boat People anging und von einigen wenigen wurden die Flüchtlinge sogar offen denunziert - genau wie von der DDR-Führung. Da flogen dann Begriffe wie "bürgerliche Müßiggänger", die sich vor dem Wiederaufbau des eigenen Landes drücken wollten, durch die Gegend. Umgekehrt hielten Konservative sich bekanntlich sehr zurück was Flüchtlinge aus rechten Militärdikaturen wie Chile oder Argentinien anging. Trotz Unterstützung durch die Union kam der Druck zur Aufnahme vietnamesischer Flüchtlinge allerdings primär aus der Zivilgesellschaft - ist allerdings Anfang der 1980er auch schnell wieder erloschen und die Cap Anamur war dann ja auch nur ein kurzweiliges Unterfangen. Der zweite sehr interesante Punkt war für mich, dass für die Vietnames - anders als für die Gastarbeiter - von Anfang an eine gezielte und energische Integrationspolitik betrieben wurde. So gab es beispielsweise von Anfang an staatlich finanzierte (!!) Deutschkurse. Vor diesem Hintergrund ist es nicht allzu erstaunlich, dass Vietnamesen heute deutlich besser integriert sind als andere Migrantengruppen.

    6. Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan
    Afghanistan war ja mal ein armes und trotz aller Modernisierungsversuche wenig entwickeltes - um "rückständig" zu vermeiden -, aber immerhin friedliches Land. Erst 1973 entstand eine Phase innenpolitischer Instabilität, als der König weggeputscht wurde. Der neue Machthaber Mohammed Daoud Khan konnte sich immerhin bis 1978 halten, als er selbst im Zuge eines Putsches ermordet wurde. Seinen Nachfolger Taraki hat schon im September 1979 dasselbe Schicksal ereilt und dessen Nachfolger wiederum - Hafizullah Amin - hatte dann ja im Dezember 1979 eine, ich sage mal, für ihn nicht ganz günstige Begegnung mit einer sowjetischen Spezialeinheit, im Zuge derer er wohl ungünstig über eine Handgranate gestolpert ist. Als politisch und geschichtlich interessierter Mensch kennt man die Story in Gründzügen ja schon. Der Einmarsch selbst war auch innerhalb der Sowjetführung umstritten. Der Außenminister Gromyko und der altersschwache Breschnew waren eigentlich nicht überzeugt von der Aktion, haben sich aber von KGB-Chef Andropow und Verteidigungsminister Ustinow überreden lassen. Ausschlaggebend waren am Ende vier Faktoren: Erstens die Befürchtung, die Amin-Regierung könnte sich aufgrund der Instabilität im Land (seine Regierung stand islamistischen Widerstandskämpfern gegenüber) an die USA wenden; zweitens die Angst, die islamistische Widerstandsbewegung könnte auf die südlichen Sowjetrepubliken überschwappen; drittens sah man sich angesichts der gescheiterten Abrüstungsverhandlungen und des NATO-Doppelbeschlusses (der übrigens am selben Tag erfolgte wie der Beschluss zum Einmarsch in Afghanistan) nicht zur Rücksichtnahme auf den Westen genötigt; viertens haben sich die Verfechter der Interventionen komplett verkalkuliert was den politischen und moralischen Rebound. Selbst die "sozialistischen Bruderstaaten" haben allenfalls zurückhaltend reagiert, lediglich die DDR-Spitze hat sich uneingeschränkt hinter Moskau gestellt; Ceausescu hat den Einmarsch offen kritisiert. Die Sowjetunion hatte quasi die komplette restliche Welt vereint gegen sich. Trotzdem haben wirksame (lies: wirtschaftliche) Sanktionen nicht lange gehalten und gerade die Bundesrepublik Deutschland war es aufgrund ihrer wirtschaftlichen Interessen wieder mal, die sich diesbezüglich von Anfang an extrem zurückgehalten hat. Stattdessen hat man sich dann auf das Boykott der olympischen Spiele beschränkt, was das Thema immerhin medial präsent gehalten hat. Na ja, der Rest ist Geschichte und muss hier nicht weiter en detail ausgebreitet werden. Interessant und aus heutiger Sicht geradezu haarsträubend zugleich ist wie die Mudschaheddin vom Westen als liebe, nette Freiheitskämpfer romantisiert wurden, die ja nur "persönliche und religöse Freiheit" (Kohl) anstrebten. Lediglich die Grünen haben neben der Invasion durch die SU auch die Unterstützung der Mudschaheddin offen kritisiert - das ist insofern wichtig zu erwähnen als dass Teile der Friedensbewegung hier bei diesem Thema erstaunlich still waren; Afghanistan hat die nicht so wirklich interessiert.

    7. Thatchers Wahl und die Gründung der Grünen
    Die Wahl Thatchers wurde schon von Zeitgenossen als großer Einschnitt wahrgenommen - zunächst allerdings vor allem deshalb, weil hier erstmals eine Frau an die Regierungsspitze eines Industrielandes aufstieg und das auch noch in einem Land, in dem die Politik mehr noch als in anderen von Männerzirkeln dominiert wurde. Ähnlich wie Merkel verdankt Thatcher ihren Aufstieg an die Spitze der Tories einer Parteikrise und ähnlich wie Kohl profilierte sie sich mit ihrer Herkunft aus der Provinz und einfachen Verhältnissen (die allerdings bei genauerem Hinsehen nicht ganz so einfach waren ). Ihrem Spitznamen der Eisernen Lady machte sie durch ihren Führungsstil und ihr Auftreten - auch international - bekanntlich alle Ehre. Ihre erste Amtszeit war allerdings ökonomisch erstmal ein ziemliches Desaster und 1981 waren sie und ihre Partei bekanntlich krass unpopulär und die Abwahl schien quasi sicher. Aber zum Glück musste da ja die argentinische Junta durch eine kleine Landnahme im Südpazifik von Querelen im inneren Ablenken. Bösch führt denn eben aus wie Thatchers Politik sich gerade im Bereich Privatisierung eher erst nach ihrer ersten Wiederwahl entwickelt hat und wie sie bis heute in UK kritisch gesehen wird. Auch der EU-Skeptizismus geht ja auf sie zurück. Interessant hierbei ist, dass beispielsweise die deutsche CDU/CSU und FDP natürlich einerseits auf Thatchers marktliberale Reformen beriefen, selbst aber unter Kohl deutlich weniger in diese Richtung gingen - gerade weil man ja auch die negativen Effekte wie die krass gestiegene Arbeitslosigkeit vermeiden wollte.
    Im zweiten Teil des Kapitels führt Bösch diverse Berührungspunkte zwischen der Umweltbewegung und den Grünen einerseits und dem Neoliberalismus und der FDP andererseits auf. Beide zeichneten sich dadurch aus, dass die tiefschürfende gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen wollten und dabei stark polarisierten. Sparen fanden (und finden) beide ganz gut, die einen aus Gründen der Nachhaltigkeit, die anderen aus Gründen der Budhetsanierung. Bürgerrechte ist für beide ein wichtiges Thema. Beide rekrutieren ihre Wähler aus eher besserverdienenden Schichten mit hohen formalen Bildungsabschlüssen.

    8. Die zweite Ölkrise
    Während die erste Ölkrise 1973 auf den Lieferstopp arabischer Förderländer im Zuge des Yom-Kippur-Krieges zurückzuführen war (es hatte jedoch auch schon Ende der 60er-Jahre einen Anstieg der Ölpreise gegeben), waren die Ursachen 1979 etwas vielschichtiger: Erstens die Streiks und schließlich die Revolution im Iran, die ein wichtiges Förderland ausfallen liesen; zweitens suchte die OPEC ihre Macht auszuspielen und mittels einen Preisanstiegs den schwachen Dollar auszugleichen; drittens führten einige Länder wie Japan, die keine eigenen Energieträger anzubieten hatten, Panikkäufe durch. Letztlich förderte die zweite Ölkrise alle möglichen Energiesparmaßnahmen, manche mehr, manche weniger sinnvoll. Die allseits beliebte Zeitumstellung ist uns ja bis heute erhalten geblieben, obwohl ihre Nutzlosigkeit längst erwiesen ist. Zwar ist der Energieverbrauch des Industrieländer insgesamt nicht nachhaltig gesenkt worden, doch wie Bösch ausführt, haben die Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizient bei z.B. Autos und Küchengeräten sehr wohl gefruchtet - wurden aber eben durch die zunehmende Größe derselben teilweise konterkariert. Auch die bipolare Weltordnung wurde - wieder einmal - durchbrochen: Gerade die Bundesrepublik bemühte sich, ihren Energieimport zu diversifizieren und begann in großem Stil, Erdgas aus der Sowjetunion zu beziehen. Diese wiederum drosselte im Gegenzug ihre Lieferungen an die sozialistischen Bruderländer und belegte diese zugleich mit Preiserhöhungen, was beispielsweise den wirtschaftlichen Niedergang der DDR nicht unerheblich beschleunigte. Auch die Förderung regenerativer Energiequellen nahm im Zuge der zweiten Ölkrise ihren Anfang, wobei hier zunächst die USA und Dänemark führend waren - und wie wir alle wissen sollte es noch eine ganze Weile dauern, bis die EE sich durchsetzen sollten. Eine aus ökologischer Sicht weniger günstige Folgeerscheinung der Ölkrise war die verstärkte Förderung von Kohle zwecks Verstromung - in NRW wurde ja noch bis Ende 2018 unter massiven Subventionen Braunkohle gefördert. Die Kernkraft war durch den im selben Jahr erfolgenden Unfall in Harrisburg politisch nicht mehr so recht vermittelbar. Zwar sanken in den 80er-Jahren die Preise wieder, u.a. weil Saudi-Arabien seine Förderung aggressiv ausweitete, aber viele der Reaktionen auf die Ölkrise haben wie beschrieben eben bis heute ihre Gültigkeit. Am Ende des Kapitels zeigt Bösch noch die interessante Parallele zu den 2000er-Jahren, als die Energiepreise ebenfalls massiv anzogen (diesmal vor allem durch den massiven Nachfrageanstieg durch China) und im Gefolge wiederum Saudi-Arabien versuchte, den Preis wieder zu drücken um sich Konkurrenz vom Hals zu halten (diesmal Frackingöl aus US of A), während zeitnah ein Atomunfall (Fukushima) die Atomenergie desavouierte.

    9. Der AKW-Unfall bei Harrisburg
    In Europa sind heute vor allem die Unfälle von Tschernobyl und Fukushima in Erinnerung geblieben, aber der erste große Atomunfall ereignete sich bereits 1979 im KRaftwerk Three Mile Island in den USA. Dieser führte dazu, dass der Ausbau der Atomenergie weltweit zunächst deutlich gebremst worden ist. Zwar wurden bereits begonnene Projekte zum Bau von KKW abgeschlossen, aber keine neuen gestartet. In den westlichen Ländern wurden Sicherheitsvorkehrungen kritisch geprüft und verbessert. Politisch konnten natürlich die Grünen aus der Havarie Kapital schlagen, was SPD und Union gewaltig aufgeschreckt hat. Bei der CDU/CSU war man beunruhigt, weil es gerade auch konservative Wähler waren, die sich an Anti-Atom-Protesten beteiligten. Helmut Schmidt hingegen hielt unbeirrt an seiner Pro-Atom-Position fest, was ihn innerhalb der SPD nicht gerade beliebter machte. Seine Prognosen, im Jahr 2010 würde es kein Öl mehr geben und wir würden dann alle mit batteriebetriebenen Autos rumgurken, die wir mit Atomstrom tanken oder schon "in 15 Jahren" Atommüll mit Raketen in die Sonne schießen, wirken aus heutiger Sicht etwas... na ja, sagen wir futuristisch. Auch im Ostblock wurden die dortigen KKW auf ihre Sicherheit überprüft und es wurden sehr wohl z.T. erhebliche Mängel festgestellt, was aber geheim gehalten wurde. Interessanterweise gibt es eine ganze Reihe Parallelen zwischen den Unfällen von TMI und Tschernobyl - ein schönes Beispiel, dass eine offene Gesellschaft, die öffentliche Kritik zulässt, eben gegenüber einer Diktatur im Vorteil ist. Interessantes Detail: Jimmy Carter, der ja sonst als eher ungeschickt agierender Präsident in Erinnerung geblieben ist, hat nach dem Unfall in TMI ein solides Krisenmanagement gezeigt.

    10. Die Fernseserie Holocaust
    Zum Abschluss nochmal ein Kapitel, das mich gar nicht mal so fürchterlich interessiert hat. Die US-Produktion löste weltweit eine neue Welle der Auseinandersetzung mit dem Holocaust aus, wobei - anders als von manchem in Deutschland befürchtet - im Allgemein nichts von einer "Deutschenfeindlichkeit" zu erkennen war. Auch in der Bundesrepublik schlug die Serie entsprechend ein und führte beim NDR zu einer gewaltigen Anzahl an Rückmeldungen, von denen zwar ein nicht unerheblicher Prozentsatz ablehnend bis feindlich und offen antisemitisch war, aber die übergroße Mehrheit nahm der Serie positiv auf und reagierte extrem emotional darauf. Mit ihr wurden der breiten Öffentlichkeit auch einige historische Sachverhalte eröffnet, die so teils nicht einmal von der professionellen Geschichtswissenschaft verarbeitet worden waren. Holocaust trug auch dazu bei, dass der Bundestag die Verjährung von NS-Verbrechen endgültig aufhob, die zuvor zwei Mal lediglich verlängert worden war.
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  4. #2674
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    Margit Reiter (2019): - Die Ehemaligen. Der Nationalsozialismus und die Anfänge der FPÖ

    Letzte Woche beendet. Der Untertitel ist Programm. Als "Ehemalige" werden in Österreich Nazis bezeichnet, die auch nach dem "Zusammenbruch" ihrer Ideologie treu geblieben sind - womit der Begriff paradox ist, denn sie sind dann ja gerade keine ehemaligen. Reiter zeigt detailliert die beachtlichen personellen Kontuinuitäten bzw. Schnittmengen von/zwischen NS-Funktionären und Sympathisanten und der Gründungsriege der FPÖ. Angefangen von der Gesinnungsgemeinschaft der sog. "Glasenbacher", über den 1949 gegründeten Verband der Unabhänigen (VdU), aus dem schließlich 1956 die FPÖ hervorgegangen ist. Der VdU ist letztlich daran gescheitert, dass er vielen "Ehemaligen" nicht rechts genug war - im Zuge seiner Gründung hatte es schon Debatten gegeben, ob man überhaupt eine eigene Partei gründen oder sich der ÖVP anschließen sollte. Parteigründer Herbert Kraus z.B. war nichtmal Mitglied der NSDAP. Solche "Probleme" hatte der maßgebliche Gründer und erste Vorsitzende der FPÖ, Anton Reinthaller nicht. Der war SS-Brigadeführer und im "Ehemaligen"-Mileu ein "Übervater". Sein langjähriger Nachfolger als Obmann (1958-78), Friedrich Peter, hatte als SS-Oberstumführer gedient. Peter muss man allerdings zugestehen, dass er sich im späteren Leben durchaus auch vom NS distanziert hat.

    Insgesamt sehr interessant zu lesen, wenngleich ich manchmal Schwierigkeiten hatten mit all den Namen, die da so durch die Gegend gefolgen sind; auch wenn die Autorin den wichtigsten Akteuren eigene Unterkapitel widmet, um ihre Biographie kurz auszuleuchten. Man braucht sich keine Illusionen machen: Die "Freiheitlichen" waren von Anfang an eine Partei, die personell und programmatisch am äußersten rechten Rand operiert hat - das ist keine Entwicklung, die erst mit Jörg Haider (Obmann von 1986-2000) eingesetzt hätte, wenngleich die FPÖ sich zwischendurch der SPÖ insoweit angenähert hatte, dass sie diese 1970/71 kurz als Minderheitsregierung toleriert und von 1983-86 sogar mit ihr koaliert hat. Rechtsaußen war in Österreich also schon immer deutlich anschlussfähiger als in Deutschland.

    Wollte eh schon länger mal etwas mehr über österreichische Geschichte und Politik lesen. Hoffentlich komme ich demnächst mal dazu.
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  5. #2675
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    Zitat Zitat von Benrath Beitrag anzeigen
    Es passt auch, dass ich gerade David Graeber - Debt gelesen habe, weil das in eine ähnliche Richtung schlägt. Mir werden kleine Stammesgesellschaften und Dörfer etwas arg verklärt. Natürlich sehe ich den Reiz den Junger beschreibt, wenn man in einem Stamm aufgenommen und akzeptiert wird, aber bei der Bevölkerungsanzahl die wir nunmal heute haben, ist das nicht mehr möglich. Ähnliches gilt für die Verklärung von gegenseitigem Anschreiben und Gefallenökonomien, das Graeber beschreibt. Das gleiche Feeling wird übrigens auch von Salafisten angeboten.

    Bei Junger find ich es etwas bedenklich, wie wenig darauf eingegangen wird, dass die Stämme die Schwachen oder Nonkonformen teilweise hart rausselektiert haben, direkt und indirekt. Das passiert heute eher weniger, bzw. können die Leute nur begrenz am gesellschaftlichen Leben teilhaben, aber man lässt sie "leben". (Bischen reflektiert, dass die Diskussion über was man mit dem dumen unteren Quintil der Gesellschaft machen soll im Rententhread).

    Bei Graeber fand ich vor allem die Aufklärung des Mythos der Tauschökonomie als Vorgänger von Bargeld interessant und plausibel. Muss zugeben, dass ich das wohl auch so unterrichtet hatte. Wobei für die Quintessenz der Notwendigkeit von Geld, sei es Bargeld oder eine generische Accounting-Einheit wie Getreide oder Frauen, bleibt. Es ist eher ein Schuss for den Bug von Goldbugs und anderen Bargeldfanatikern die Bargeld/Gold als den heiligen Gral ansehen, wenn doch IOUs eher der Standard in den kleinen Dorfgemeinschaften waren. Die ganze Geschichte um die perversen Folgen von Schulden auf unser Verhältnis untereinander und gegenüber anderen ist krass (Cortez oder Englische Handelsgesellschaft Beispiele).
    Also ich lese das Buch auch gerade und bin atm (bin bei ca. Seite 200) extrem angekotzt davon. Unendlich mäanderndes Rumgeschwafel, kommt null zum Punkt, verliert sich in Details, deren Relevanz überhaupt nicht erkennbar ist. Ich kann über weite Strecken seine ganze Argumentation gar nicht nachvollziehen, weil die Essenz des Arguments überhaupt nicht atrikuliert wird. Ich habe jetzt z.B. nicht verstanden, wie genau der Übergang von human economy zu commercial economy funktioniert, obwohl das auf 50 Seiten oder was ausgewalzt wird. Vielleicht mal ein bisschen kondensierter schreiben, dann versteht man als Leser auch was. Bin nicht sicher, ob ich das noch zu Ende lesen werde.

    Letztens Jahr hatte ich von Graeber Bullshit Jobs gelesen, was ich echt gut und interessant zu lesen fand.
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  6. #2676
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    Zitat Zitat von SFJunky Beitrag anzeigen
    Also ich lese das Buch auch gerade und bin atm (bin bei ca. Seite 200) extrem angekotzt davon. Unendlich mäanderndes Rumgeschwafel, kommt null zum Punkt, verliert sich in Details, deren Relevanz überhaupt nicht erkennbar ist. Ich kann über weite Strecken seine ganze Argumentation gar nicht nachvollziehen, weil die Essenz des Arguments überhaupt nicht atrikuliert wird. Ich habe jetzt z.B. nicht verstanden, wie genau der Übergang von human economy zu commercial economy funktioniert, obwohl das auf 50 Seiten oder was ausgewalzt wird. Vielleicht mal ein bisschen kondensierter schreiben, dann versteht man als Leser auch was. Bin nicht sicher, ob ich das noch zu Ende lesen werde.

    Letztens Jahr hatte ich von Graeber Bullshit Jobs gelesen, was ich echt gut und interessant zu lesen fand.
    Naja ist halt ein generelles Problem diese Populärwissenschaftsbücher, das man eine Idee teilweise auf drölf Seiten auswalzen muss, damit es ein dickes Buch wird. Collapse ist z.B. genau das gleiche.

    Ich glaub auch nicht, dass Graeber weiß wie der Übergang läuft, mir erscheint es aber plausibel, dass es erste IOU innerhalb der Gruppe gab und man sich irgendwann auf eine Währungseinheit der Gefallen (Getreide, Frauen, Sklaven) geeinigt hat. Münzen kamen dann wohl später als Handel wichtiger wurde und dann gings ja weider auf IOUs zurück.
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  7. #2677
    GröBaZ Benutzerbild von Moranthir
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    Noch ein paar Nachträge seit letztem Jahr, größtenteils Romane.

    Bernard Cornwell - Saxon Stories / Uhtred Saga 7-10
    Der Heidenfürst (2012)
    Der leere Thron (2014)
    Die dunklen Krieger (2015)
    Der Flammenträger (2017)

    Quasi die Buchserie, auf der die Netflix-Serie "The Last Kingdom" basiert. Ich mag Cornwell und die ersten drei Bände der Saxon Stories waren echt gut (deutlich besser als die Verfilmung, wenn auch nicht so gut wie die exzellenten Warlord Chronicles).

    Ich bin eigentlich nach Buch 6 (Death of Kings) ausgestiegen, da die 20. Beschreibung eines Schildwalles einfach weniger kickt und nichts Neues passierte. Die Hörbücher gibt es aber (auf Deutsch) auf Spotify und fürs Radfahren hat es gereicht. Der mittlerweile wirklich alte Uhtred schnetzelt sich noch immer durch Dänen, Norweger und ab und an auch mal Sachsen und trifft auf historische Figuren. Wäre mir das Geld nicht wert gewesen, aber als Beschallung okay.

    Sind die Romane rund um Sharpe auch derart repetitiv?

    R. A. Salvatore - Icewind Dale Trilogy & The Dark Elf Trilogy (1988 - 1991)

    Als D&D-Mensch wollte ich mir die bekannteste Saga einmal zu Gemüte führen. Ich weiß nicht, ob es einfach unspektakulär gealtert ist oder nie besser war, aber diese absoluten Klischees hält man kaum aus. Am meisten hat mich aufgeregt, dass er immer von seinen moralischen Prinzipien spricht, nach denen er Leben will, ohne dass sie einmal dargelegt werden.

    Aber ich mag Forgotten Realms und irgendwas hat mich dazu bewegt dran zu bleiben. Sechs Bücher sind dann aber auch genug.

    Stephen King - The Dark Tower I-III: The Gunslinger (1982), The Drawing of the Three (1987), The Waste Lands(1991)

    Die ersten Bände von Kings Lebenswerk. Ein sehr mysteriöses Setting, bei dem unsere Welt (ok, New York) mit einer postapokalyptischen Welt auf wundersame Weise verbunden sind. Stimmungsvolles Setting in einer Welt, in der wenig erklärt wird, über die ich aber gerne mehr erfahren möchte. Das zweite Buch fand ich bislang am besten. Absolute Empfehlung bisher, werde sicherlich weiterlesen.

    Tim O'Brien - The Things They Carried (1990)
    Der Autor verspinnt die Geschichten, die er erlebt hat mit Geschichten, die an ihn heran getragen wurden und fiktionalisiert sie zum Teil. Die Geschichten sind in sich abgeschlossen, hängen aber dennoch lose zusammen. Gut, bisweilen großartig geschrieben. Krieg klingt scheiße und auch Tim O'Brien ringt sein ganzes Leben mit diesen Erfahrungen.
    Kann man sich echt gönnen.

    Dan Carlin - The End is Always Near (2019)
    Der Geschichtspodcaster mit der besten Stimme hat ein Buch geschrieben, das sich mit einem seiner Lieblingsthemen befasst: dem Untergang von Zivilisationen und Untergangsszenarien. Als beispiele gab es den Bronze Age Collapse, den Schwarzen Tod und das Vorbeischrammen am nuklearen Weltkrieg während der Kubakrise. Einige der Dinge wurden im exzellenten Podcast Hardcore History auch schon abgefrühstückt, von daher gab es nicht so viel Neues zu hören, aber es war gute Unterhaltung. Für Fans des Themas sicherlich interessant.
    Zitat Zitat von havii
    Du Wurst lebst nur weil es einen Staatsvertrag gibt. Ich lebe weil ich stark bin.
    Irgendwann ist das alles hier auch wieder vorbei und dann kannst Du dir deinen Selbstbetrug in den Arsch stecken.
    #bärenhöhle

  8. #2678
    Benutzerbild von SFJunky
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    Zitat Zitat von Benrath Beitrag anzeigen
    Naja ist halt ein generelles Problem diese Populärwissenschaftsbücher, das man eine Idee teilweise auf drölf Seiten auswalzen muss, damit es ein dickes Buch wird. Collapse ist z.B. genau das gleiche.

    Ich glaub auch nicht, dass Graeber weiß wie der Übergang läuft, mir erscheint es aber plausibel, dass es erste IOU innerhalb der Gruppe gab und man sich irgendwann auf eine Währungseinheit der Gefallen (Getreide, Frauen, Sklaven) geeinigt hat. Münzen kamen dann wohl später als Handel wichtiger wurde und dann gings ja weider auf IOUs zurück.
    Habe das Buch letztens beendet und den Rest in der Tat größtenteils überflogen. Urteil bleibt bestehen. Thema interessant, Umsetzung schlecht und hätte besser sein können.

    Kann auch, ehrlich gesagt, nicht erkennen dass das ein generelles Problem ist.
    "We don't know what causes recessions. Now, I'm not a macro-economist, and I don't feel badly about that." - Eugene Fama

  9. #2679
    Benutzerbild von rahji
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    Ganz gutes Buch mit einigen sinnvollen Ansätzen. Geht zum Beispiel darum, wie man das amerikanische Gesundheitssystem für Verbraucher einfacher gestalten kann oder wie man die Bereitschaft für Organspenden erhöht.
    Zitat Zitat von Problemsabel Beitrag anzeigen
    abgelehnt. nimm mir bitte nicht das saufen. was soll ich anderes anfangen.
    #bärenhöhle

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